Nikon Df

Blablabla und die Nikon Df in der Praxis

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Wieder einmal ärgere ich mich über F(l)achwisser, die sich voreilig eine Meinung über eine Kamera - in diesem Fall die Nikon Df - bilden, ohne sie nennenswert im Einsatz gehabt zu haben. Diese Meinung muss dann natürlich als "Testbereicht" o.Ä. sofort veröffentlich werden, möglichst ohne vorher nochmal zu reflektieren was man da so an Halbgarem von sich gibt.

Ein "Vintage-Acessoire" sei sie, mit einem geradezu skandalös rückwärtsgewandten Bedienkonzept. Ein Spielzeug für Nostalgiker. Nun ist das mit Sicherheit auch Nikons Marketing geschuldet, dass in den Teaser-Movies das Stereotyp des "Leica-mans" bemüht hat. Der rugged guy, die Kamera, das Pure. Der Mann denkt nach, die Einstellräder klicken, der Verschlussvorhang schwingt sich mit sanfter Eleganz am Sensor vorbei.
Spot an, auf die noch schrägere Garnitur der Kritiker: "das Retro-Konzept ginge nicht weit genug". Was mag damit gemeint sein? Fehlt der Filmtransporthebel, müsste der Monitor weg, soll man die Speicherkarten zum Auslesen einschicken müssen?

Zurück zum Vintage-Spielzeug-Vorwurf. Ich hatte diese Kamera in den vergangenen Tagen mehrfach bei Temperaturen von teilweise deutlich unter -30°C im Einsatz. Zwischendurch war sie zweimal komplett mit einer Eisschicht bedeckt (Stichwort Taupunkt), im Schnee verweht, etc.- kurzum: gnadenloser Winter-Einsatz. Um es kurz zu machen: sie funktioniert auch bei extremer Kälte so zuverlässig wie bei Raumtemparatur. Sämtliche Auftauvorgänge hat sie im Rucksack (ohne zusätzliche Plastikbeutel) klaglos überstanden.

Was mich allerdings noch wesentlich mehr erfreut hat war der Umstand, dass viele Funktionen der Kamera in der Praxis eine sehr angenehme Handhabung offenbarten. Insbesondere mit Handschuhen ist die Kamera sehr gut zu bedienen. Während ich zum Beispiel bei der D800 stets beim Versuch mit Handschuhen die ISO-Einstellung zu ändern erstmal die falsche Schultertaste erwische, klappt es bei der Df einhändig und ohne hin zu schauen.
Auch die übrigen Funktionen lassen sich gut bedienen. Lediglich die Live-View-Taste ist nicht so hervorgehoben wie bei der D800, aber hier kann man sich tastend gut am Rand des Screens orientieren. 

Ein etwas gespaltenes Verhältnis hab ich noch zum vorderen Einstellrad, es geht mir tendenziell etwas zu streng  und eine Gummierung hätte hier sicher nicht geschadet. 

Sehr angenehm ist das Comeback des Time-Modus als Alternative zu "B".  Das erspart einem das Gefummel mit den bei Kälte sowieso immer viel zu steifen Kabelauslösern.

Nikon Df • Carl Zeiss DIstagon 2,8/ 15mm • ISO 400 • f9 • 1/8s

Nikon Df • Carl Zeiss DIstagon 2,8/ 15mm • ISO 400 • f9 • 1/8s

Mein erstes Urteil über die Df in der Praxis fällt demnach positiv aus. Dem Motto "Digital Fusion" folgend, hat Nikon hier alte und neue Bedienkonzepte zusammengeführt. Elektronische Einstellräder und digitale Fototechnik vom Allerfeinsten treffen auf Verschlusszeitenrad und ISO-Einstellung wie vor 40 Jahren. Da auch die vermeintlich altbackenen Knöpfe und Räder in der Praxis Ihre Stärken zeigen, betrachte ich diese Synthese als durchaus gelungen. 

Low-Light Cam? No-Light Cam!

Dass der Sensor der Nikon D4 in Sachen High-ISO-Perfomance Maßstäbe gesetzt hat, konnte ich währen der Touren, auf denen ich diese Kamera als Mietgerät mit mir führte, zur Genüge bewundern. Dass der Sensor der Nikon Df diesem kaum nachstehen dürfte, war zu vermuten.  Der in der letzten Woche erschienene DxO-Mark-Test bestätigt nun, was sich abgezeichnet hat: in Situationen mit wenig Licht legt die Df gegenüber der D4 nochmal ein Quäntchen nach und punktet etwas besser. Das ist interessant in der Theorie der Tests - und allemal beeindruckend in der Praxis.

Ich habe gestern beim Knipsen am Weihnachtsmarkt mal die Auto-ISO-Funktion komplett von der Leine gelassen (maximal erlaubte Einstellung: Hi 4 - ISO zweihunderttausendirgendwas). Die Ergebnisse sind wirklich faszinierend - insbesondere wenn man bedenkt dass sie mit einer (gegenüber der D4) kleinen und leichten Kamera entstanden sind, die allenfalls durch ihren analogen Touch und die nächtliche Abwesenheit eines Blitzgeräts auffällt und dadurch bisweilen für mitleidig-irritierte Blicke sorgt.

Anbei ein paar Beispielbilder, anlassgerecht als JPEGs in "normaler" Qualität fotografiert - auch die Rauchunterdrückung war auf "normal" eingestellt.
Die Fotos sind nur fürs Famillienalbum, das ist klar - aber gut zu wissen, in welche Grenzbereiche man diese Kamera treiben kann, wenn es mal drauf ankommt.

Nachtrag:
Nicht zu vergessen: der Autofocus muss ja auch noch irgendwie mitspielen, denn an manuelles Scharfstellen möchte ich in solchen Situationen gar nicht erst denken.
Meine Erfahrung von gestern: sobald man dem AF der Nikon Df in der Dunkelheit ein kleines bisschen Rest-Kontrast anbietet, stellt die Kamera schnell und sicher scharf. In dieser Disziplin schlägt sie die AF-Module aus der Vorgänger-Generation (wie zB. die der Nikon D3x, D700, etc.) klar.