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Das Thema, das Stephan Fürnrohr seit Jahren künstlerisch bewegt, ist das arktische Eis. Daher zog es den Fotografen immer wieder in den hohen Norden und insbesondere nach Grönland. Hier, in einer der am dünnsten besiedelten Regionen der Erde, stehen sich scheinbar widersprüchlich Raum ohne Zeit und voranschreitender Wandel gegenüber. Das Eis schmilzt, und die komplexe Beziehung der Menschen zur Natur wird mittels des dadurch ausgelösten Wandels in besonderem Maße erlebbar.

Natürliche Skulpturen aus Eis - Grönland, 2012

Dem Formen- und Farbenreichtum des polaren Eises begegnet Stephan Fürnrohr mit seiner eigenen Bildsprache. Diese ist von einer Maxime des "näher dran" geprägt, was ihn unter anderem zu weit abgelegenen Gletschern und tief in die Höhlen des grönländischen Inlandeises geführt hat.

Aus einer Vision werden Bilder

Die Arbeit mit Kleinflugzeugen spielte für Stephan Fürnrohr in Grönland von Anfang an eine wichtige Rolle. Parallel dazu entstand bereits vor über 3 Jahren die Idee, seine Motive mit Hilfe eines professionellen Multicopters aus der Luft zu erschließen. Im Gegensatz zu den ständig in Bewegung befindlichen Propellermaschinen, versprach die Nutzung einer Drohne neue Möglichkeiten der präzisen Bildgestaltung. Denn solch ein unbemanntes Fluggerät vermag problemlos über Minuten hinweg an einer Stelle verharren. Für die Umsetzung des Projekts  90° Grönland wurde also der kreative Spielraum um den Blickwinkel aus der Luft erweitert. Die Bilderserie ist visuell so konzeptioniert, dass sie durchgängig im 90°-Winkel direkt aus dem Zenit fotografiert wurde. 

Durch den besonderen Blickwinkel (von weit unterhalb der Flughöhe normaler Luftaufnahmen) werden feinste Details von Landschaft, Eis und Siedlungen erfasst. Die vertikale Perspektive lässt die Erdoberfläche zur Leinwand werden, auf der sich im Zusammenspiel von Flächen, Linien und Farben verblüffende Bilder manifestieren. Auf den ersten Blick ist die Perspektive ungewohnt, bisweilen verwirrend. Dafür wirken die Bilder umso intensiver und verharren nicht in der reinen Darstellung oder Dokumentation, sondern werden durch die künstlerische Arbeit jedes für sich zu einem eigenständigen und fesselnden Werk. Ob schwindelerregend spektakulär oder in sich ruhend, andersweltlich-entrückt, jedes Bild lädt zur intensiven Betrachtung ein – und lässt mit seinen Details den Zuschauer selbst zum Entdecker werden.

Fotografien am Puls der Zeit

Wieder einmal ist sich der Fotograf Stephan Fürnrohr treu geblieben und hat alle Bilder authentisch und ohne manipulative Nachbearbeitung erstellt. Die Kreativität nicht am Computer, sondern im visuellen Konzept und in der Fotografie statt. Nur so wird die eigene Wahrnehmung für das Publikum erlebbar. Die Schönheit der Arktis und die künstlerische Expertise erübrigen jede digitale Verfremdung.

Ziel meiner Fotografie ist es, die Leute zum Staunen zu bringen, ihnen einen "Sense of Wonder" zu vermitteln. 
Insbesondere bei meinen Bilderserien aus der Arktis gibt es jedoch auch eine tiefergehende Botschaft, die ich aber keinesfalls mit dem erhobenen Zeigefinger in den Vordergrund stellen möchte. Das, was meine Bilder zeigen, ist seit Jahren akut im Wandel begriffen. Die Folgen der globalen Klimaerwärmung lassen sich in kaum einem Gebiet deutlicher beobachten, als in der Arktis. 
Diese Veränderungen werden nicht durch die Lebensweise der Grönländer, sondern durch den ressourcenintensiven Lebensstil der Industrienationen begünstigt. Wenn nach einem Gespräch in meiner Ausstellung ein Besucher mit dem Bewusstsein nach Hause geht, dass im Klima- und Ökosystem unseres Planeten sehr vieles in intensivem Bezug zueinander steht, dann haben wir damit schon viel erreicht.

Die 50 Bilder der Kollektion 90° Grönland sind aus einer Flughöhe von 30 bis 500 Metern aufgenommen. Durch die außergewöhnliche Perspektive offenbaren sich die beeindruckenden Strukturen der Eisberge, Schmelzwasserflüsse, Gletscher, Moränen und Fischereihäfen. Die verschiedenen Motive lassen den Betrachter das komplexe Verhältnis der Menschen zur Natur im Wandel der Arktis erfahren.

Stephan Fürnrohr

Begeistert von der Fotografie, fasziniert von der Natur. Was Stephan Fürnrohr sieht und was er hinter dem Bild wahrnimmt hält der mehrfach ausgezeichnete Fotograf in seinen Werken fest. Das Sehen eines Motives ist der zentrale Teil seines kreativen Prozesses. Zur Bildgestaltung bedient er sich der Perspektive, sorgsamer Ausschnittswahl und des Lichts. Technisch spielt sich die Arbeit im Bereich der klassischen Kameraparameter ab: Belichtungszeit und Blende, Brennweite und Fokus stellen die Stellschrauben dar, in deren Variationsbandbreite ein Bild erfasst wird.

Stephan Fürnrohr ist Präsident der GDT, der bedeutendsten Naturfotografen-Vereinigung Europas, sowie 1. Vorsitzender der Fotografischen Gesellschaft Regensburg (gegr. 1894). Seine Bilder werden national und international ausgestellt. Weitere Infos über den Fotografen finden Sie hier.

Bis zur Realisierung des Luftbildprojektes war es ein langer und aufwändiger Weg. Viele Fragen wollten vorab geklärt werden: Wie weit muss die Drohne steuerbar sein, um die gewünschten Motive abzubilden? Ist die Sicherheit für das Fluggerät und die aufwendige Kameraausrüstung gewährleistet? Lässt sich die Drohne von einer Person neben Reisegepäck und Fotorucksack transportieren, um an weit abgelegenen Orten abseits der Zivilisation und gewohnter Infrastruktur zu fotografieren? Und ist die Expedition überhaupt finanzierbar? Nach drei Jahren Konzeption und Recherche, wurde 90° Grönland schließlich im Sommer 2016 erfolgreich durchgeführt.

Ein nicht nur schöpferischer, sondern auch überaus spannender Prozess, auf den Stephan Fürnrohr zufrieden zurückblickt:

Ich konnte bildmäßig all das umsetzen, was ich mir vorgenommen hatte – und noch viel mehr. Ich habe in der Tat durch die Perspektive aus der Luft Motive entdeckt, die ich mir vorher nicht zu erträumen gewagt habe.
Und auch die Arbeit mit der Drohne hat sehr gut geklappt. Die Steuerung war zuverlässig und präzise, sie hat die Auswahl des Bildausschnitts nie behindert. Im Gegenteil, das Gestalten mit dem Fluggerät hat einfach Spaß gemacht.

greenland today no 29 (2017)

Ausstellung in der Fotogalerie Potsdam (12.01. bis 03.03.2017)

Ausstellung beim Kunstverein Ibbenbüren (Februar 2017)

Reportage im Drones Magazin 05/2017


Kontakt: 

Stephan Fürnrohr
Vilsgasse 3
93183 Kallmünz

Tel.: +49-(0)171-7108911
E-Mail: stephansd@mac.com